Reine Formsache

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Wie viel Purismus steckt in einem barocken Möbelstück?
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Ein bisschen sehen die über hundert Meter hohen Türme der Sagrada Família aus, als hätte ein verspieltes Kind sie in den Sand gebaut.

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Reine Formsache

11 months ago

Hedi Xandt

Polygonaler Blumentopf-Kopf "ADAN" von Teresa Sapey für VONDOM
Kachelserie "Mosa Murals III" von Royal Mosa
Grüner Laminatboden "Squares" von Parador Identity
Chaiselongue "FAZ" in Weiß mit transparentem Sonnenschirm von VONDOM
Asymmetrischer Fellteppich "Ponti D754" von Gio Ponti für Molteni&Co
Modulares Objekt "Mirror Sculpture" von Verner Panton für VERPAN
Roter Tisch aus Glas und Stahl "Mettsass" von Ettore Sottsass für BD Barcelona Design

 

Form und Farbe: Das sind zwei Begriffe, die in diesem Sommer nicht nur auf Strandgänger zutreffen sollten. Auf dem Salone del Mobile in Mailand wurden dieses Jahr einige Neuerungen und alte Freunde vorgestellt, die sich vor allem zu ihren Ecken und Kanten bekennen. Wer dachte, polygonales Design und Digital-Ästhetik wären nur Markenzeichen des deutschen Designers Konstantin Grcic, der wurde eines besseren belehrt: 2012 sind es hauptsächlich romantische Italiener, die mit harten Kontrasten, steilen Winkeln und einem "Ja" zur geraden Linie in unsere Wohnbereiche einziehen wollen. Anders als vermutet setzt das Design dabei nicht auf industrielle Normen, sondern Individualität: So schafft die Kachelserie "Mosa Murals III" mit insgesamt 140 verfügbaren Einzelteilen in verschiedenen Farben, Oberflächen und Glanzgraden schier unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten. Ähnlich hält es Parador: Der Laminathersteller bietet mit der "Identity"-Reihe grenzenlos individuelle Bodengestaltung an, ab 100qm erfüllt er dank eines brillanten Digitaldruckverfahrens jeden Motiv-Wunsch – uns ist das grafische "Squares"-Design in Grüntönen bereits mehr als recht! Wem der Boden zu platt ist, der gestaltet Wand und Decke mit den spiegelnden "Mirror Sculpture" Elementen von Verner Panton. Die sind zwar nicht neu, aber jetzt endlich wieder über den "Nachlassverwalter" VERPAN zu beziehen, der vor nicht allzu langer Zeit die Prada Flagshipstores ausrüstete.

Wer seinen Wohnraum nicht gleich in psychedelische Grafiken verwandeln möchte, sollte wirkungsvolle Akzente setzen.

Das geht am besten mit dem "Ponti D574" von Molteni, der ähnlich abstrakt wie seine Bezeichnung, aber erstmal seit 1956 wieder in Neuauflage erhältlich ist. Der Entwurf stammt aus dem Nachlass der namensgebenden Design-Ikone Gio Ponti und ist aktueller denn je. Legendär ist auch der feuerrote Tisch aus Glas und Stahl von Ettore Sottsass, ein Entwurf von 1972. "Mettsass" ist ebenfalls ein neu vorgestellter italienischer Designklassiker, jedoch keine Angst: es gibt auch echte Neuigkeiten. Für den Außenbereich bietet VONDOM ein innovatives Daybed mit transparentem Sonnenschild, das entfernt an einen Schneewittchensarg erinnert, aber wesentlich bequemer ist und auch der alten Hexe gemütliche Stunden draußen verschaffen sollte. Auch über Pflanzen hat sich der Hersteller einen Kopf gemacht: im 70 Zentimeter hohen Blumenkübel "ADAN" verbinden sich krasse Kanten und geschwungenes Blattwerk zu einer harmonischen Einheit.
Die gute Balance zwischen geometrischer und organischer Form ist übrigens sehr wichtig, ebenso die Kombination aus Klassikern und Neuheiten – weder in einem Sci-Fi-Filmset aus den 60ern noch in radikalem Avantgardismus kann man gut leben. Der Mix machts.

Dann ist man auch so gut eingerichtet, dass die Strandfigur überflüssig wird.

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